Reading Room _ 22. April 2026
18:00–19:30 h/6–7:30 p.m. CET, hybrid
Scheinbar genesen! Fotografisches zu Long Covid
mit Prof. Dr. Monika Pietrzak-Franger (Universität Wien)
auf Deutsch

Die Pandemie mag offiziell vorbei sein, doch ihre Nachwirkungen sind weiterhin spürbar. Long Covid hat die Leben von Millionen Menschen weltweit verändert und wirft neue Fragen zu den individuellen, sozialen und politischen Dimensionen von Krankheit auf.
„Scheinbar genesen – Leben mit Long Covid und das Recht auf Hoffnung“ taucht tief in die Realitäten der Betroffenen dieser oft unsichtbaren Erkrankung ein. Anhand von Interviews und künstlerisch-dokumentarischem Fotomaterial aus Österreich, das in enger Zusammenarbeit mit Betroffenen entstanden ist, beleuchtet das Buch den Alltag mit Long Covid.
Mehr als nur eine Bestandsaufnahme ist dieses Buch ein Plädoyer für eine zukunftsgerichtete Vision. Es fordert uns auf, unsere sozialen und medizinischen Infrastrukturen zu überdenken und den Herausforderungen chronischer Erkrankungen im 21. Jahrhundert zu begegnen.
zur Verlagsseite und einem Interview
Anmeldungen bitte unter anmelden@imhar.net!
Reading Room _ 29. Mai 2026
16–17:30 h/4–5:30 p.m. CET
Programmänderung:
»Vier Seiten Leben. Der Fall Martha L.«
Dorothee Kohler zu Gast
auf Deutsch

Martha L., geboren 1894 in St. Gallen, starb 1918 im Kantonalen Asyl Wil. Acht Jahre lang hatte sie dort gelebt. Ihre Akte umfasst lediglich vier Seiten. Sie galt als «unfügsam». Wegen Unruhezuständen und «tierischem Gebrüll» wurde sie ins Deckelbad gebracht, zur Unterbindung ihrer «menstruellen Tobsuchtsanfälle» kastriert. In der Familie wurde nicht über sie gesprochen.
Dorothee Kohler versucht das Leben dieser Schwester ihres Vaters zu rekonstruieren. Sie stellt die kargen Informationen über Martha in den Kontext der Psychiatriegeschichte des frühen 20. Jahrhunderts, beleuchtet die damalige Diagnostik und gebräuchliche Behandlungsmethoden. Anhand von Briefausschnitten und Zeichnungen aus Krankenakten findet auch die Patient*innenperspektive Eingang in den Text.
Das Buch erzählt keine lineare Geschichte. Zwar versucht es, Bruchstücke zusammen zu fügen, aber die Bruchlinien bleiben sichtbar wie bei der japanischen Reparaturtechnik Kintsugi. Dank dieser Form werden die zentralen Fragen nicht beantwortet, sondern wach gehalten: die Frage nach dem gesellschaftlichen Umgang mit unfügsamer Weiblichkeit und die Frage nach dem Schweigen von Marthas Familie.
IMHAR außer Haus
Wie sind wir gestrickt?
Ein anatomisches Theater der etwas anderen Art
von Katharina Sabernig, Nora Dirisamer und Rebekah Wild
Aufführungstermine ab dem 12. Mai, öffentliche Vorstellungen am 16. und 23. Mai um 4 p.m.
Ort: Zirkus des Wissens, Linz (Österreich)
Für Menschen jeden Alters ab 6 Jahren

Wie sieht es eigentlich in unserem Inneren aus? Welche Aufgaben haben unsere Organe? Wie schaffen es unsere Blutkörperchen, uns zu beschützen – und wie hängt das alles zusammen?
Wir wollen die faszinierende Innenwelt des Wunders Mensch erkunden – auf eine ganz andere Art und Weise als gewöhnlich: Den roten Faden unserer Entdeckungsreise durch die Dschungellandschaft unserer Organe bilden die von der Ärztin und Anthropologin Katharina Sabernig liebevoll gestrickten Objekte aus Wolle. Wunderschön, faszinierend, anziehend! Rebekah Wild wird als Figurentheaterspielerin diese anatomischen Kunstwerke zum Leben erwecken. Wissenschaftskommunikation in lebendigen Bildern, Objekten, Tönen und Emotionen!
Link zum Zirkus des Wissens und zum Event: https://www.jku.at/zirkus-des-wissens/projekte/wie-sind-wir-gestrickt/
Link zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=xLFYbauZB6w
IMHAR on tour_19. + 20. Juni 2026

Iliggocene – The Age of Dizziness
(copyright Anderwald + Grond 2026)
Iliggocene (von griech. iliggos für Schwindel) erforscht die Polykrisen der Gegenwart als Zustände von Instabilität und Ungewissheit durch künstlerische Forschung, Ausstellungen und Performances. Das Projekt untersucht körperliche und gesellschaftliche Erfahrungen des Schwindels, um neue kritische Vokabeln und Handlungsspielräume zu entwickeln. Durch ein dezentrales, nachhaltiges Netzwerk werden lokale Szenen aktiviert und Wissen geteilt, um der Zerrissenheit der Welt mit neuen Formen der Zusammenarbeit zu begegnen.
Wir IMHARisti treffen uns am 19. Juni ab 10:00 h zur ganztägig stattfindenden Konferenz, auf der Beiträge aus Wissenschaft und Kunst geplant sind und die in den Räumen des Berliner Medizinhistorischen Museums stattfinden wird. „Im ersten Teil werden wir uns mit Dizziness und seinen physiologischen Grundlagen beschäftigen, im zweiten Teil kommen die Humanities stärker ins Spiel. Hier denken wir über Dizziness and Collapse nach, nicht nur wissenschaftlich oder intellektuell, sondern auch künstlerisch, z.B. in einer partizipativen Performance.“ Am 20. Juni können wir ab 12:00 h gemeinsam die Ausstellung im KINDL besuchen!
IMHAR außer Haus
NEVER REST
Angela Alves (Choreographie und Performance), Annekathrin Walther (Dramaturgie), Koen v. Prittwitz (Illustrationen) in Kooperation mit den Sophiensaelen Berlin im Rahmen des Festivals NEVER WORK.
19./20./21.06.2026 in den Sophiensaelen, Berlin
Anmeldung und Tickets: bald verfügbar auf der Webseite der Sophiensaele https://sophiensaele.com/de
Ausruhen ist eine überlebenswichtige Praxis für die Gesundheit. Es wirkt entzündungshemmend, hilft gegen chronische Schmerzen, Bluthochdruck und Burnout. Damit das Ausruhen seinen Zauber entfalten kann, kommt es aber nicht nur darauf an, wie wir uns ausruhen, sondern auch, wo wir es tun.
In der Performance-Installation NEVER REST untersucht Angela Alves die räumlichen Grenzen des Ausruhens. Sie fragt, ob Ausruhen überhaupt möglich ist in Arbeits- und Gesundheitsräumen, die von Druck, Kontrolle und Erwartungen geprägt sind.
Als Hausführung konzipiert, führt NEVER REST das Publikum durch die Räume der Sophiensaele und auf eine historische Spurensuche des Nicht-Ausruhens: von den Ostarbeiterinnen des NS-Regimes, die in den 1940er-Jahren im heutigen Festsaal der Sophiensaele arbeiten und schlafen mussten, über die schlaflosen Nächte von Tänzer*innen im Theater, bis zu den Dauerbadpatient*innen der sogenannten Heil- und Pflegeanstalten der frühen Moderne, die in der Badewanne zur Ruhe kommen und manchmal auch übernachten mussten.
Save the date!
11.–13. September 2026
Festival im Rahmen der Ausstellung HORIZONTAL! am Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité
Weiterführende Informationen folgen!
Aktuelle Veröffentlichung / Current Publication

Art and the Critical Medical Humanities
Edited by Fiona Johnsone, Allison Morehead & Imogen Wilshire
Bloomsbury 2026
…mit Beiträgen von den IAMHAR-Mitgliedern Nora Heidorn, Angela Alves, Monika Ankele und Céline Kaiser…

Themenheft der Zeitschrift Curare
Visuelle Ausdrucksformen von Gesundheit, Krankheit und Heilung
herausgegeben von und mit Beiträgen mehrerer Mitglieder der International Association for Medical & Health Humanities and Artistic Research, e.V.

Sophie Witt, Céline Kaiser, Christina Schües, Cornelius Borck (Hg.):
Embodiment and Critical Medical Humanities. Multiple Practices and Shifting Concepts. Conversations with Angela Woods, Erin Manning, Monica Greco, Ana Gómez-Carrillo, and Siri Hustvedt. Berlin/Basel: Schwabe 2024.


